Von Stählen, Härten und dem Schliff

Ich beschäftige mich jetzt ja schon einige Jahre damit Messer für mich und Freunde zu bauen. Bescheidene eigene Schmiedeversuche, und viel mehr testen und Experimentieren mit fertigen Klingen aus Finland. Und einigen Gelegenheiten auch unterschiedliche Stähle und Klingen zu testen – wobei ich im Normalfall nicht unbedingt dafür bin ein Messer als Axt zu mißbrauchen – jedes Tool hat seine Einsatzzwecke.

Heute möchte ich eher Gedanken über das Material selbst anstellen, und das beginnt mit dem Stahl und der Härtung der Klingen. Wie jeder der hier und auf Tarmes mitliest schon weiß: ich bin ein großer Fan der Brisa-Eigenmarke Enzo, speziell der Trapper-Klinge. Die Klingen gibt es in unterschiedlichen Preisklassen, und auch in unterschiedlichen Stahllegierungen. Und über die Jahre haben sich daraus einige Erfahrungswerte ergeben die vielleicht hilfreich für die Wahl einer guten Klinge sein können:

Stahl

Brisa bietet folgende Stähle an:

  • O1 – ein amerikanischer Carbonstahl
  • D2 – ein Werkzeugstahl mit guter Härte und Schnitthaltigkeit, leicht Rost-resistent durch einen leichten Chromanteil
  • CPM S30V – ein rostfreier Pulvermetallurgischer Stahl
  • Sandvik 12C27 – ein gängiger schwedischer rostfreier Stahl
  • AUS-8 – ein japanischer rostfreier Stahl
  • N690Co – rostfreier österreichischer Böhler-Stahl mit höherem Cobalt-Anteil
  • X55 – wurde bei den kleinen Enzo Necker verwendet

Die ersten Beiden habe ich ausgelassen. Obwohl gängig und gut scharf zu halten – ein Outdoor-Messer muss bei mir rostfrei sein. Ich weiß, da gibt es andere Philosophien…aber ich möchte mich nicht damit herumärgern Rost zu vermeiden.

Meine ersten Trapper und das größere Taiga waren aus AUS-8. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit, das Preis/Leistungsverhältnis stimmt, die Klingen sind nicht empfindlich und lassen sich gut schärfen. Einzig – bei meinem Freund Gerhard, der die Klinge auch oft zum Fleischschneiden heranzieht haben sich an dem an sich rostfreien Stahl trotzdem Roststellen gebildet.

Mein langjähriger Favorit ist die S30V Klinge. Durch die pulvermetallurgische Verarbeitung bekommt man eine perfekt homogene Klinge mit perfekter Mischung, ohne Schwachstellen, die auch schwerste Belastungen ohne zu murren mitmacht, und den Schliff hält. Einzig – der um gut € 40,– höhere Preis gegen die anderen Varianten ist nicht ohne. Eher was für Enthusiasten 😉

Neu im Programm ist der N690er Stahl von Böhler. Da musste ich mir zumindest aus patriotischen Gründen schon eine Klinge kommen lassen, ist ja aus Österreich. Dieser Stahl wird auch von anderen Messerherstellern eingesetzt, was er kann werden wir im Laufe der Zeit erst feststellen. Hier sieht man auch schön den skandinavischen Schliff (s.u.)

X55 habe ich bei meinem Necker. Das war die erste Enttäuschung die ich mit der Marke Enzo erlebt habe. Hat man es beim Härten zu gut gemeint, oder ist es die Stahlmischung selbst? Gerade für ein Schwammerlmesser ist es blöd wenn beim kleinsten Kontakt mit etwas Hartem gleich Scharten in der Klinge sind. Noch bei keinem Messer musste ich soviele Kerben ausschleifen. Inzwischen wird das Necker nur noch mit dem Sandvik 12C27 angeboten. Ich denke ich muss mir wohl so eines zulegen und sehen ob das eher meinen Erwartungen entspricht. Von der Größe her ist das kleine Necker eines der besten Alltagsmesser die ich kenne, wäre schade das Konzept vergammeln zu lassen.

Härten

Bei der Härte scheiden sich die Geister. Meins ist härter als Deins 😉 Und ja, ein hartes Messer hält die Schärfe natürlich länger.

Aber: ein gesundes Mittelmaß bringt mehr. Zuviel Härte, und wie oben beschrieben hat man bei der kleinsten Belastung Kerben in der Klinge. Zu harter Stahl wird nun mal spröde. Man sollte sich auch vor Augen führen das in der fleischverarbeitenden Industrie ausschließlich „weiche“ Messer zum Einsatz kommen damit keine Metallsplitter zurückbleiben wenn man mal auf einen Knochen trifft. Diese Messer müssen natürlich öfters geschliffen werden. Wenn ich aber an meinen Großvater zurückdenke (ein Oberförster) – auch der schliff seinen Knicker immer extra nach bevor er ein Tier aufbrach.

Hier stellt sich auch die Frage wofür man das Messer verwenden will. Wer damit nur die Jause schneidet braucht nicht unbedingt eine auf 60 HRC gehärtete Klinge. Und selbst wer unbedingt mit seinem Messer Holzscheite spalten will – auch hier sollte man sich eher an einen zähen Stahl halten der einem dann auch den gelegentlichen Ast verzeiht. Das trifft umso mehr für Haumesser wie Macheten und Khukri’s zu, die so einen halben Weg zur Axt darstellen.

Last but not least: ewig bleibt kein Messer scharf! Daher ist es bei jedem Messer notwendig sich damit zu beschäftigen wie man sein Messer von Zeit zu Zeit nachschleift. Auch eine Kunstfertigkeit die nicht so gängig ist….und auch hier einfacher wenn die Klinge nicht zum gehtnichtmehr gehärtet ist.

Schliff

Wie bei der Härte habe ich beim Thema manchmal das Gefühl in einem Frisiersalon zu sein. Ein Messer ist offenbar nicht richtig scharf wenn man sich damit nicht rasieren kann. Und ja, wenn der Hauptzweck im Speckschneiden besteht wird man mit einem sehr flachen oder Hohl-Schliff sicher glücklich. Dann ist man aber mit einem Küchenmesser am besten bedient.

Soll das Messer allerdings wirklich was aushalten sollte man auf zwei Dinge achten: einen nicht zu dünnen Rücken, und einen nicht zu feinen skandinavischen Schliff.  Dadurch nimmt die Klinge relativ schnell von der Schneide weg an Dicke zu und bricht auch bei härterer Beanspruchung nicht so leicht aus. Und mal ehrlich: gerade draußen im Wald verkommt das Rasieren bei mir eher zur Nebensächlichkeit 😉

Dreißig Jahre Donauradweg

Ich bin ja schon seit meiner Jugend immer irgendwo auf Tour. Das wurde mir schon in die Wiege gelegt. Denn auch meine Eltern waren gerne irgendwo draußen unterwegs.

Mein Vater als passionierter Radfahrer und Redakteur war seinerzeit maßgeblich am Entstehen des Donauradwegs beteiligt. Jetzt zum 30jährigen Jubiläum hat sich der Kurier daran erinnert und ein Interview gemacht.

Zum Interview: http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/den-donauradweg-abgetrotzt/63.965.344

Foto: KURIER/Gilbert Weisbier
Foto: KURIER/Gilbert Weisbier